Die Datierung aber, in den Anfang des 13. Jahrhunderts ist belegbar. Die Radeburger Privilegierten Schützen waren schon immer der Stolz der Stadt, genossen auch hohes Ansehen. Mit dem Jahr 1939 trat erstmals eine Pause in die Tätigkeit der Schützen ein. Konservativ, wie die Radeburger Bürger schon seit jeher waren, ließen sich die Schützen nicht ins politische Schema der damaligen Zeit pressen. Nach dem Ende des 2. Weltkrieges sorgte die herrschende Volksmacht dafür, dass Schützenvereine verboten und enteignet wurden. Hierzu zählten sowohl alle vereinseigenen Immobilien, als auch alles Hab und Gut, was die Schützen über Jahrhunderte bewahrt und gesammelt hatten. Angefangen von den vereinseigenen Waffen, den wertvollen Schützenketten, der Schützenfahne und vielem mehr. Nicht viel konnte in die neue Zeit hinüber gerettet werden. Und das wenige was noch erhalten blieb, kann ein Besucher des Radeburger Heimatmuseums betrachten. Am 23.06.1997 gründete sich nach 52 Jahren Stillstand die Schützengesellschaft  1226 Radeburg e. V. mit acht Mitgliedern neu. Zu diesen Gründungsmitgliedern zählt auch der älteste sächsische noch aktive Schützenbruder Kurt Georg. Der heute 94 jährige, ist der einzige aktive Schütze, welcher die 1926  durchgeführte Jubiläumsfeier in seiner Heimatstadt als 24 jähriger Sportschütze miterlebt hat. Mittlerweilen ist die Schar der Mitglieder nach fünf jährigem Bestehen auf  32 gestiegen. Leider ist es dem Verein bisher noch nicht gelungen, eine neue eigene Schießbahn und ein Schützenhaus einzurichten. Daher ist die Schützengesellschaft angewiesen, bei einem befreundeten Verein seine Schießübungen auszutragen. Der 09.06.2001 war ein ganz besonderer Tag im Leben der Radeburger und seiner Schützen. An diesem denkwürdigen Tag führten wir nach 126 Jahren wiederum eine Fahnenweihe durch. Das Wappen dieser Fahne besteht aus dem Hauswappen des Sächsischen Königshauses der Wettiner. Es ist genau die gleiche Abbildung der alten Fahne, die König Albert im Jahre 1875 der Radeburger  Schützengesellschaft persönlich Geschenkt hat. Die Deckseite ist verändert. Sie trägt das Stadtwappen, eine Burg, mit Stolz. Die Weihe der Fahne führte vor vielen hundert Zuschauern Seine Königliche Hoheit Dr. Albert, Prinz von Sachsen und Herzog von Sachsen durch. Dies bezeugt auch die enge Verbundenheit der Radeburger mit dem Haus Wettin. Die Schützen führen alljährlich ein Schützenfest, eine Woche nach Pfingsten durch. Alte Traditionen wie Armbrustschießen auf Adler, die Handhabung von Pfeil und Bogen und vieles mehr werden geboten. Der Vogelschützenkönig und der Schützenkönig werden traditionell von allen anwesenden Vereinen und Gesellschaften in einem Fahnengeschmückten Umzug durch Radeburg abgeholt. Vereine aus Großenhain, Ebersbach, Königsbrück, Ruhland, Weißkeißel, Niederau, Meißen u.s.w. reisen jedes Jahr zum Schützenfest der Radeburger an, um gemeinsam alte Gepflogenheiten zu pflegen.

 
Radeburg

 
Die Kleinstadt Radeburg, bekannt auch als Geburtsstadt des Malers Heinrich  Zille, liegt an der A13 auf der Achse Dresden – Berlin. Die erste zuverlässige Beurkundung von Radeburg wird datiert mit dem Jahr 1288. Obwohl es noch ältere Nachweise über den Ort gibt, wird dies als Gründung der Stadt angesehen und belegt. Die Nähe der heutigen Landeshauptstadt Dresden (ca. 20 Kilometer) hat viel zur Prägung der Stadt Radeburg beigetragen. Aber auch die konservative Haltung und Einstellung ihrer Bürger erhielt der Stadt ihr romantisches vom mittelalterlichen Charakter geprägtes Aussehen. Gerade die Haltung und Einstellung der Einwohner hat viel Schaden von ihrer Stadt ferngehalten. So manchen Krieg hat sie fast unbeschadet überstanden. Auch den letzten. Viel mehr Unheil richteten die Stadtbrände an, welche besonders viel, zu bewahrendes Gut mit den Flammen vernichteten, Dokumentationen, welche für immer verloren sind.

 
Geschichte


968 wurde das Bistum Meißen unter Otto dem I. gegründet, und dies mitten im damaligen Sorbenland. Die Deutschen kamen in jene  Region zurück, die sie während der Völkerwanderung  ( 800 vor bis 400 nach Christi ) verlassen hatten. Insbesondere Bauern und Fischer siedelten sich im Meißner Land und seiner Umgebung an. Die Feste Meißen bildete demzufolge, dass so genannte Besiedlungsrückgrad, auch für das kleine Fischerdorf an der Röder, aus dem einmal Radeburg werden soll. Allerdings war dieses Gebiet bis 1288 immer wieder Streitobjekt von Fürsten aller Herren Länder.1123 erhielten die Wettiner die Mark Meißen. Die Röder wurde zum Grenzfluss zwischen wettinischem und welfischem (böhmischem) Land. Das hier ursprüngliche Fischerdorf wurde Ende des 12. Jahrhunderts Anfang des 13. Jahrhunderts möglicherweise zum Burgwart aufgerüstet. Bewiesen ist dies bislang nicht. Da die damaligen Beschützer von Hab und Gut aus den eigenen Reihen der Bevölkerung kommen mussten, können die Radeburger Schützen daher ohne weiteres auf den Anfang des 13. Jahrhunderts datiert werden. Denn eine Urkunde benennt bereits um 1239 eine Siedlungsanlage, und wenig später einen befestigten Platz. Man spricht von einem Oppidum auch in einer Urkunde von 1288. Nach vielem Hin und Her wurde eben in diesem Jahr 1288 das Gebiet zwischen der Pulsnitz und der Mulde von den Welfen endgültig an die Wettiner vermacht, und Radeburg zuverlässig erwähnt. Obwohl Radeburg nur die Burg „im Schilde führte“ (Wappen), ist es bis heute nicht zuverlässig erwiesen, ob der Ort jemals eine Burg hatte. Und wenn, dann hatte diese höchstens für 100 Jahre Bedeutung. Nachweise für hölzerne Wasserburgen sind allerdings in der Radeburger Umgebung vorhanden.  (Steinbach ca. 6 km westlich von Radeburg). Für eine derartige Anlage spräche auch das Gelände in der Radeburger Flur. Auch die Burg im Wappen, wird ihrer Bedeutung nach nicht aus der Luft gegriffen sein. In dieser Zeit lösen die aus Franken kommenden Armbrüste, Speer und Bogen in der Bewaffnungstechnik langsam ab. Übungsschießen im sportlichen Wettkampf wurden nun mit diesen modernen Waffen durchgeführt. Eine heimtückisch verhasste Waffe, welche die Schützen trugen. Von den Bischöfen in Bann gelegt, wer sich mit solch Waffenträgern verbrüderte. Diesen Bann scheint aber keiner so recht ernst genommen zu haben in damaliger Zeit, denn beschützten die Schützen nicht auch Klöster und Kirchen? 1326 fällt Radeburg nebst dem Orte Sacka an Siegfried von Schönfeld. Später kommt die Stadt in den Besitz der Familie Bünau als Lehe und bleibt weiterhin im Besitz von adligen Familien. 1423 wurden die Wettiner Kurfürsten von Kaisers Gnaden und erbten den vakanten Namen „ Sachsen“. Von 1521 bis 1523 gab es die reformatorische Bewegung in den deutschen Städten. Das Radeburg dabei war, ist wegen seiner latenten Fürstentreue eher nicht anzunehmen. Erst 1533 wird Radeburg  wie der Kurfürst protestantisch, was erhaltene Kirchenbücher belegen. Im Jahr 1624 erwirbt Herzog Johann Georg I. das Rittergut. Von 1618 bis 1648  verwüstet der dreißigjährige Krieg das Land. Auch Radeburg wird hiervon nicht verschont. Durch Krieg, Pest und Cholera wurde die Bevölkerung arg dezimiert. Die Stadt, welche in der Renaissance  etwa 5000 Seelen zählte verringerte sich auf etwa 2000. Nur langsam kommt nach den Kriegsjahren der wirtschaftliche Augschwung durch den Fleiß der Bauern und Handwerker in Gang. Verirrte, und vertriebene Menschen siedeln sich an.  1668 kauft der kurfürstliche sächsische Oberstleutnant Wolf Kasper von Klengel Radeburg. Die Schützengesellschaft ist ein fester Bestand der Stadt. Auf Grund ihrer gesellschaftlichen Stellung erhielten die Schützen besondere Privilegien vom Landesherren. Sie durften Bier brauen, und wurden von Abgabensteuern befreit. Die Schützen von Radeburg wurden  von den Fürsten und Lehnsherren wegen ihrer Treue und Disziplin privilegier und gefördert. Ja, mit Auszeichnungen bedacht. Kurfürst August der Starke tritt 1697 zum Katholischem Glauben wegen der Polnischen Krone über. Die Machtansprüche des Sachsen schwören den Nordischen Krieg herauf, denn gleichfalls die Schweden beanspruchen die polnischen Lande. Von 1707 bis 1708  lagerten die Schweden zwischen Radeburg und Kleinnaundorf mit ihrem Heer. Der erhalten gebliebene Schwedenstein zeigt heute noch die Stelle des Feldlagers an. Die protestantischen Schweden hielten sich recht schad- los an Radeburg. Sie raubten ihre Glaubensbrüder gehörig aus. Unglück kommt selten allein. Stadtbrände blieben wegen vieler Fachwerkbauten und der engen Bebauung nicht aus. So wüteten Brände 1612 und 1642. Besonders schlimm viel der Brand von 1718  aus. Die Kirche nebst Pfarre, die Schule, das Diakonat, Rathaus, das Herrenhaus samt Vorwerk und ca. 54 brauberechtigte Häuser vielen dem Feuerfraß zum Opfer. Auch die Schützen blieben von dem Unglück vielerorts nicht verschont. Ein Teil des Schützengutes war für immer verloren. Von dem was noch erhalten geblieben war, verkauften die Schützenbrüder einen Großteil an den Grafen von Zschorna, um damit die Not leidende Bevölkerung zu unterstützen. Auch dies zeigt auf, welch gesellschaftliche Stellung die Schützen vertraten. 1749 verlieh Graf Brühl im Auftrag des Sächsischen Könighauses dem Radeburger  Verein eine neue Schützenfahne. Die Fahne wurde vermutlich 1730 bis 1732 vom Grenadierregiment „Weimar“ geführt und im Januar 1746 dem Hauptzeughaus in Dresden zurückgegeben. Von 1749 bis 1899 verblieb die Fahne im Besitz der Schützen von Radeburg und wird erst 1899 an die Militärkammer des Sächsischen Hofes zurückgegeben. Seither lagert sie im Militär-historischen Museum der Bundeswehr in Dresden. Es muss aber darauf verwiesen werden, dass es sich bei dieser Fahne um keine typische Schützenfahne handelte, sondern um eine Fahne des sächsischen Heeres .Doch einiges hat sich über gewisse Zeiten retten können. So zwei Schilde der Schützen von 1773 und 1799 sowie einige Orden nebst Trinkbecher. Es sind Zeitzeugen, welche Spuren der Vergangenheit eindeutig belegen. Das Schild im Becher von 1773  belegt den Bezug zu Sophie von Nassau und Saarbrücken welche Radeburg etwa 1749 bis 1779 in Verwaltung hatte. Ein Geschlecht, was noch heute im Niederländischen Königshaus verankert ist. 1813 haben die französischen Truppen auf dem Weg nach Leipzig in Radeburg auf dem Exerzierplatz auch Schafweide genannt gelagert. 1875 verlieh König Albert von Sachsen persönlich der Radeburger Schützengesellschaft eine neue Schützenfahne. Die Vorderseite der Fahne trägt das Hauswappen des Könighauses Sachsen mit den beiden zugewanden Löwen, welche das Sächsische Schild

Tragen. Auf der Rückseite der Seidenfahne ist die Widmung König Alberts aufgetragen. Diese Fahne ist im Besitz der Stadt Radeburg, wird im Heimatmuseum ausgestellt. Sachsen wurde nach 1871 immer sozialdemokratischer. Radeburg jedoch blieb bis zur Absetzung von König Friedrich August III. von Sachsen   treusächsisch-wettinisch-königlich. Die Artikel des seit 1876 erscheinenden Radeburger Anzeigers dokumentieren und belegen dies sehr eindrucksvoll. Die Radeburger Schützengesellschaft und ihre Bürger hielten zu ihrem König. Im inneren wohl auch noch zur NS Zeit, denn die Schützen ließen sich nicht in das militärische Schema der Nationalsozialisten pressen. 1939 erlebte die Bevölkerung von Radeburg das letzte offizielle Schützenfest, welches immer zu Pfingsten seit alters her  begangen  wurde. Zum Kriegsende 1945 zogen in Radeburg die Russen ein. Dank der besonnen Radeburger nahm die Stadt kaum Schaden. Aber der Untergang der Schützengesellschaft wurde durch das rote deutsche Regime besiegelt. Das Schützenhaus, die Schießanlage, der Schützenschatz, die Vorderlader und andere Schusswaffen, Offizierssäbel und Dolche sowie die Fahne und Wertbriefe wurden eingezogen und enteignet. Die Gesellschaft aufgelöst. Sollte dies das Ende einer 719 jährigen Tradition  sein? Am 23.06.1997  war der Anfang der Fortführung gemacht. Die 52 Jahre Verbot sind nur rein politisch zu sehen. Die Schützen in Radeburg und deren Tradition blieben in den Köpfen und Herzen der Menschen.

Gerd Zimmer
Vorstandsmitglied